Ingwerwurzelstock (Zingiber officinale)

Ingwerpflanze
Ingwerpflanze
Der Hühnersuppe, dem Pfannengemüse oder den Keksen verleiht er einen gewissen Pfiff: Vor allem wegen seines scharf-würzigen Aromas findet Ingwer hierzulande viele Freunde. Doch ist die Knolle weit mehr als ein interessantes Gewürz. Ingwer gehört zu den gesündesten Lebensmitteln der Welt. In Indien, Südost-Asien, Westafrika und in der Karibik nutzt man die heilsame Kraft des Ingwers seit mehr als 3000 Jahren. In Europa beschrieb der griechische Arzt Dioskurides bereits im 1. Jahrhundert nach Christus die verdauungsfördernde, magenberuhigende Wirkung des Ingwers. Geschätzt wird vor allem der so genannte Wurzelstock – wobei es sich botanisch gesehen nicht um eine Wurzel, sondern um ein Rhizom, einen unter der Erde wachsenden Spross, handelt.

Ingwer (Zingiber) gehört zur Familie der Zingiberaceae (Ingwergewächse) und ist in Gebieten mit tropischem Klima verbreitet. Obwohl es über 50 verschiedene Ingwerarten gibt, hat nur das Rhizom der Art Zingiber officinale Rosc. Eingang in die Arzneibücher gefunden.

Der Wurzelstock des Ingwers kriecht horizontal im Boden und verzweigt sich nur in einer Ebene geweihartig. Die dicken kurzen Glieder sind zuweilen seitlich zusammengedrückt. Daraus entsteht der Scheinstengel, der über 1 m lang wird. Die endständige Blütenähre ist zapfenartig und mit großen grünen Deckblättern versehen, die gelb berandet sind. Die Pflanze blüht nur selten, Samenbildung ist äußerst rar.

Die Heimat des Zingiber officinale Rosc. liegt in Südostasien. Das genaue Herkunftsland ist nicht sicher bekannt. Als Kulturpflanze wird sie in zahlreichen Gebieten des Tropengürtels angebaut. Zu den Hauptanbaugebieten zählen: Indien, China, West-Malaysia und Nigeria. Weitere Anbaugebiete sind Taiwan, Japan, Thailand, Sri Lanka, Australien und Kamerun.
Anbau: Ingwer gedeiht in einem gleichmäßig heißen und feuchten Klima. Die Verbreitung erfolgt durch Teilung sorgfältig ausgesuchter und gelagerter Rhizome. Die Rhizomstücke werden 10 bis 15 cm tief eingegraben.

Ernte: Um getrockneten Ingwer zu erhalten, wird dieser 8 bis 9 Monate nach dem Einpflanzen geerntet, wenn die Blätter gelb werden und sich die Scheinstengel umlegen. Die Rhizome werden mit einem einzigen Ruck, möglichst ohne Verletzung, mit einer Gabel aus dem Boden gehoben. Ingwer, der als „frischer“ Ingwer verwendet wird, wird in Indien zu einem früheren Zeitpunkt, etwa 5 – 6 Monate nach dem Einpflanzen, geerntet. Gleich nach der Ernte werden die Wurzeln der Rhizome entfernt und die anhaftende Erde abgewaschen. Die Rhizome werden dann auf zementierten Plätzen zum Trocknen ausgebreitet. Die Schichten werden gelegentlich gewendet und die Rhizome jeden Abend zu Haufen aufgestapelt. Die Trocknung wird je nach Wetterbedingungen 7 bis 10 Tagen fortgeführt. Durch teilweises Schälen der Rhizome an beiden Seiten oder Teilen der Rhizome in Längsrichtung wird in einigen Regionen, wie z. B. Nigeria, eine Verkürzung der Trockendauer herbeigeführt.
Ingwer - eine gesunde Knolle
Ingwer - eine gesunde Knolle
Ingwer ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil der indisch-asiatischen Gesundheitslehre. Doch auch bei uns ist Ingwer als heilsame Wurzel anerkannt: 1997 wurde Ingwer (Zingiber officinale Rosc.) für das Indikationsgebiet „Dyspeptische Beschwerden“ in das deutsche Arzneimittelbuch aufgenommen. Von der Kommission E wurde der Ingwer ebenfalls positiv für das Indikationsgebiet „Verhinderung von Reisekrankheiten“ monographiert.

Untersuchungen – vor allem in Europa und Japan – haben die heilende Wirkung von Ingwer und seinen Bestandteilen nachgewiesen. Der besondere Anteil an Scharfstoffen, darunter Gingerole und Shogaole, sowie ätherisches Öl tragen zum Geschmack, Geruch und zur Wirkung der Pflanze bei.

Die Forschung zeigt, dass Ingwer entzündungshemmende Eigenschaften besitzt, mit positivem Einsatz bei rheumatischen Beschwerden.

In der modernen Naturheilkunde findet der Ingwerwurzelstock (Zingiber officinale) in erster Linie als Magenmittel Erwähnung und wird zur Behandlung von Magenbeschwerden, aber auch Appetitlosigkeit eingesetzt.

Die positive Wirkung des Ingwers auf den Magen wird von Reisenden weltweit genutzt: Übelkeit als Folge von See- und Reisekrankheit wird wirksam gedämpft.

Daneben kann durch seinen Genuss die Blasentätigkeit gefördert, Gasansammlungen behoben, die Gallensekretion sowie der Gallenabfluss normalisiert werden. Dass die Behebung all dieser Leiden schließlich Stoffwechselstörungen beseitigt, ist nur eine natürliche Folge.

Aufgrund seiner wärmenden Eigenschaften tut Ingwer-Tee bei Erkältungen gut.

Selbst äußerlich kann Ingwer wohltuende Wirkungen entfalten: Eine Massage mit dem Öl bessert Arthrosebeschwerden.

Ingwer ist also rundum eine tolle Knolle – vielseitig und ganz nebenbei auch echt lecker.
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